Abenteuer in China: 

Noe und Numa werden auf die Probe gestellt

Über einen Monat lang trainierten Noe Keusch und Numa Ulrich im Mutterland des Tischtennis.
37 Tage, unzählige Trainingsstunden, kaum Regeneration und eine Erfahrung, die sie sportlich wie menschlich geprägt hat. Im Interview erzählen sie von ihrem ersten Kulturschock, vom gnadenlosen Trainingsalltag und davon, was ihnen dieser Aufenthalt für ihre Zukunft gegeben hat.

«Wir sind extrem aufgefallen»

Erinnert ihr euch an euren allerersten Moment in China? Was hat euch sofort überrascht?

Noe: Ein Moment, der mir ganz besonders geblieben ist, war der Transfer in Chengdu. Am Gate standen praktisch nur Chinesen und Asiaten und dann wir zwei Europäer mittendrin. Ich mit meinen blonden Haaren bin extrem aufgefallen. Wir wurden oft angestarrt, schon am Flughafen, später auch in der Halle beim ersten Training. Für viele dort ist es sehr ungewöhnlich, Europäer zu sehen. Am Anfang war das ehrlich gesagt etwas unangenehm. Aber mit der Zeit haben sie uns gekannt, vor allem in der Halle, und dann hat sich alles eingependelt.

Ein Alltag am Limit. Körperlich brutal, mental fordernd.

Wie sah ein normaler Trainingstag bei euch aus?

Numa: Wir sind meistens gegen 7.45 Uhr aufgestanden, danach kurz gefrühstückt. Um 8.50 Uhr begann die erste Tischtenniseinheit, die bis etwa 11.15 Uhr dauerte. Anschliessend hatten wir noch rund eine Stunde Zeit für individuelles Training im Kraftraum. Danach direkt Mittagessen, eine kurze Pause, oft mit einem Mittagsschlaf, und um 15.10 Uhr startete die zweite Einheit bis ungefähr 18 Uhr. Am Abend hatten wir etwas Freizeit. Die nutzten wir entweder nochmals fürs Gym, zum Einkaufen oder um etwas abzuschalten, zum Beispiel beim Poolspielen. 

Was war für euch das Härteste körperlich und mental?

Noe: Ganz klar das Pensum. Die Intensität war extrem hoch. Oft starteten wir mit harter Beinarbeit, danach unregelmässige Übungen, Aufschlag-Rückschlag, Balleimer und das teilweise zweimal täglich. Dazu fast jeden Tag Krafttraining. Irgendwann spürt man die Beine einfach ständig, man wird langsamer, der Körper performt nicht mehr wie am Anfang. Aber man lernt, damit umzugehen.

Mental war es vor allem die Herausforderung, jeden Tag wieder neu aufzustehen und sich voll reinzukämpfen trotz Müdigkeit, trotz Schmerzen. Wichtig war, dass wir den Spass nicht verloren haben. Klar gab es Phasen, in denen es sehr hart war. Aber wir haben bewusst auch neben dem Tisch coole Dinge gemacht. Das hat extrem geholfen, um im Training wieder bereit zu sein.

Numa: Für mich war es vor allem die Länge des Aufenthalts. In 37 Tagen hatten wir vielleicht drei oder vier komplett trainingsfreie Tage. Es gab Tage mit nur einer Einheit, aber wirklich frei waren wir fast nie. Die Regenerationszeit war sehr knapp.

    Tischtennis in einer anderen Dimension

    Was machen die Chinesen im Training grundsätzlich anders als wir in Europa? Was hat euch besonders beeindruckt?

    Numa: Ich finde, sie trainieren einfach viel mehr und härter. Die Grundsicherheit ist dadurch viel höher. Auch werden die Trainingsmatches viel ernster genommen und es wird oft um Geld gespielt. Des Weiteren erhalten die Beinarbeit und auch der Balleimer einen viel grösseren Fokus als in der Schweiz.

    Mich hat vor allem auch die Infrastruktur beeindruckt. Die zweite Trainingsanlage, in der wir waren, bestand ausschliesslich aus Tischtennis. Rund 120 Tische, überall viel Platz, optimale Bedingungen. Das ist eine Dimension, die man sich bei uns kaum vorstellen kann.

    Wie war der Kontakt mit den chinesischen Spielern trotz Sprachbarriere?

    Noe: Der Kontakt war richtig gut. Viele konnten nur ein paar Sätze Englisch, aber das war egal. Sie haben uns chinesische Wörter beigebracht, wir ihnen englische, das war extrem lustig. Für tiefere Gespräche brauchten wir oft Google Translator, aber damit ging es überraschend gut. Wir konnten uns austauschen, über Tischtennis sprechen, über den Sport generell. Das hat mega Spass gemacht.

    Was habt ihr ausserhalb der Halle über China gelernt?

    Noe: Mich hat die Kultur extrem beeindruckt. Diese Lockerheit. Man sieht überall Leute, die draussen Federball spielen, tanzen oder einfach ihr Ding machen. Es sind so viele Menschen unterwegs, dass man gar nicht auffällt. Niemand urteilt schnell. In der Schweiz schaut man sofort, wenn jemand etwas Spezielles macht, dort ist das völlig normal. Das hat mir sehr gefallen.

    Eine Veränderung, die bleibt

    Was hat dieser Monat in China mit euch als Spieler gemacht? Was macht ihr anders als früher?

    Numa: Ich bin in den Ballwechseln viel sicherer geworden. In China kommt es fast immer zu offenen Ballwechseln, einfache Fehler werden kaum gemacht. Ich musste mich anpassen, stabiler werden und konstanter spielen.

    Ich trainiere deutlich mehr Beinarbeit. Und etwas, das wir seit China konsequent machen: Noe und ich geben uns gegenseitig viel öfter Balleimer. So können wir unsere Schwächen noch gezielter und intensiver trainieren.

    Und was hat der Aufenthalt mit euch als Mensch gemacht?

    Noe: Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Sicher haben wir viel von der Kultur gelernt, diese Offenheit, diese Freude am Tun. Auch die Disziplin im Training hat mich geprägt. Das ist etwas, das wir jetzt auch in der Schweiz wieder einbringen wollen. Insgesamt war es eine unglaubliche Erfahrung. Diese Zeit, die Verbindungen zu den Menschen, die gemeinsamen Erlebnisse, das kann uns niemand mehr wegnehmen. Und ganz ehrlich: Diese Erinnerungen werden mich mein Leben lang begleiten.