Noe Keusch auf dem Podest in der U21
Ein Monat China, eineinhalb Wochen später Belgien. Noe Keusch spielt sich in der U21 bis in den Halbfinal und holt Bronze. Was das Trainingslager gebracht hat und wo er sich selbst noch im Weg steht, erzählt er hier.
Erfahrungsbericht von Noe Keusch, Belgium Open 2026 (16.09.–20.09.2026).
Fünfter Satz, Verlängerung, rund eine Stunde Spielzeit. Der Viertelfinal gegen Nikon Shutov aus Weissrussland war mein bestes Spiel in Belgien. Ein Krimi mit vielen beeindruckenden Ballwechseln, es ging hin und her bis zum Schluss. Beim letzten Duell hatte ich noch klar gegen ihn verloren. Diesmal konnte ich zeigen, wie hart ich in China trainiert habe.
Vor gut eineinhalb Wochen bin ich aus China zurückgekommen. Nach einem sehr guten ersten Bundesliga-Spiel ging es direkt weiter nach Belgien. Den Fortschritt habe ich sofort gemerkt, vor allem beim Tempo. In China lag der Fokus auf Speed und Beinarbeit, und im Match bin ich immer hinterhergekommen.
«Ich hatte eigentlich nie das Gefühl, dass der Gegner schneller spielt als ich.»
Genau das wurde aber auch zum Problem. Nach einem Monat Hochtempo musste ich mich wieder an das langsamere europäische Spiel mit mehr Spin gewöhnen, dazu auf Tibhar-Tischen, auf denen die Bälle stark durchrutschen. Oft war ich zu früh am Ball, Timing und Schlägerwinkel passten nicht. Und das Licht in der Halle war so schlecht, dass man teilweise fast nichts gesehen hat. Das galt für alle, aber mich hat es sehr gestört.
Der Halbfinal war dann, blöd gesagt, enttäuschend. Rund um das Spiel lief nicht alles rund und ich war mental nicht zu 100 Prozent dabei. Manchmal ist der Sport so. Ich habe mich nicht unterkriegen lassen und schon im nächsten Match wieder zu meiner Form gefunden. Am Abend gab es im Hotel grosse Steaks, die für den letzten Tag nochmals Energie gegeben haben.
Das Turnier hatte ein spezielles Format: Auch nach einer Niederlage spielt man weiter, nach vorne oder nach hinten. Über so viele Matches die Konzentration zu halten, ist hart, besonders wenn es irgendwann nur noch um die Plätze 13 bis 16 geht. Das habe ich nicht gut gemeistert. Körperlich war ich dank China immer voll da, mental gibt es noch Arbeit.
Spielerisch war ich keinem Gegner unterlegen. Die Spiele, die ich verloren habe, hätte ich teilweise gewinnen müssen. Bei 2:0 oder 2:1 lasse ich den Gegner oft nochmals ins Spiel kommen und verliere dann plötzlich die Kontrolle.
«Den Sack zumachen, das ist noch ein bisschen meine Achillesferse.»
In die Saison nehme ich viel Selbstvertrauen mit. Ich bin schnell auf den Beinen, sicher im offenen Spiel und kann mich aus der Halbdistanz oder von hinten zurück in den Punkt kämpfen. Und die wichtigste Lektion aus Belgien:
«Man muss nicht nur spielerisch, sondern auch mental voll bereit sein und zu jedem Zeitpunkt gewinnen wollen.»
TEAM PING PONG STORY gratuliert Noe herzlich zu Bronze. Mach weiter so!