Mehr als Technik:

Lernen, dem Gegner wehzutun

Cédric Tschanz über seine Zeit als Tischtennis-Profi in Montpellier / FRA

Von Juni 2023 bis März 2025 durfte ich in Montpellier zwei Jahre in einer Profi-Trainingsgruppe trainieren, umgeben von Weltklasseathleten wie Alexis und Felix Lebrun (Nummer 6 und 12 der Welt). Ich kam mit einer bereits sehr guten Technik, doch meine Trainer machten mir schnell klar: Der nächste Schritt ist nicht mehr der Fokus auf die Technik, sondern die Fähigkeit, dem Gegner spielerisch wehzutun. Genau dieser Gedanke hat mein Training, mein Spiel und meine Sicht auf Tischtennis verändert.

«Alexis beeindruckte mit unberechenbarer Variation und explosiver Power, Felix mit unglaublicher Ballsicherheit und einer endlosen Palette an Aufschlägen.»

Mein Alltag war klar strukturiert: Um 09.00 begann mein eigenes Warm-up, um 09.30 das gemeinsame Aufwärmen. Von 10.00 bis 12.00 stand intensives Tischtennis auf dem Programm. Am Nachmittag folgten Athletiktraining oder individuelles Balleimertraining, danach eine weitere Einheit bis 17.30 oder 18.00. Vier volle Tage pro Woche, zwei halbe und ein ganzer Tag Pause zur Regeneration.

Cédric Tschanz (rot) im Athletiktraining mit den Brüdern Lebrun in Montpellier

Die Gruppe umfasste 10 bis 15 Spieler, alle auf hohem Niveau. Die meisten spielten in der Pro A oder Pro B in Frankreich. Alexis und Felix waren oft auf WTT-Turnieren, doch wenn sie in Montpellier waren, war das Training auf einem anderen Level. Ihre Präsenz und Energie waren sofort zu spüren. Alexis beeindruckte mit unberechenbarer Variation und explosiver Power, Felix mit unglaublicher Ballsicherheit und einer endlosen Palette an Aufschlägen. Beide gaben immer Vollgas, egal gegen wen. Ihre Arbeitseinstellung und ihr Siegeswille waren ansteckend. Sie haben mir nie etwas geschenkt.

«Statt nur an der Schlaganzahl zu arbeiten, lernte ich, jede Einheit mit klaren Zielen zu füllen und Qualität über Quantität zu stellen.»

Ich begann, kreativer zu spielen, mehr zu riskieren und Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren. Statt nur an der Schlaganzahl zu arbeiten, lernte ich, jede Einheit mit klaren Zielen zu füllen und Qualität über Quantität zu stellen. Das Spiel sollte so gestaltet werden, dass es dem Gegner wirklich wehtut. Genau das trainierte ich immer wieder, auch im Kopf. Und Spass am Spiel bewahren, denn schliesslich ist es ein Privileg, mit Tischtennis Geld zu verdienen und einem kleinen weissen Plastikball hinterherzujagen.

Spiel und Spass neben harter Arbeit in Montpellier

Montpellier war mehr als Training. Der Club war familiär, alle halfen einander. Die Pro-A-Spiele live zu sehen, den Aufstieg der Brüder mitzuerleben, ihre Olympia-Teilnahme in Paris 2024 zu verfolgen und zu merken, wie bodenständig sie geblieben sind, war inspirierend.

Heute weiss ich: Gute Technik ist nur der Anfang. Der wahre Unterschied entsteht durch die Wirkung, die man auf den Gegner ausübt. Und genau daran arbeite ich jeden Tag weiter.