Mein Weg zur Jugend-EM
Erfahrungsbericht von Noe Keusch, Teilnehmer der Jugend-EM 2025, die vom 11. bis 20. Juli in Ostrava, Tschechien, ausgetragen wurde.
Mir bedeutet es sehr viel, die Schweiz an der Jugend-Europameisterschaft zu vertreten. Auch wenn wir im Tischtennis noch kein bekanntes Land sind, holen wir auf. Jahr für Jahr verbessern wir uns, bei den Mädchen genauso wie bei den Jungs. Dieses Jahr war ich nicht nur Spieler, sondern auch Team-Captain. Im Team-Event haben wir den 13. Platz erreicht, das beste Schweizer Resultat seit vielen Jahren. Das macht mich stolz, auch wenn ich weiss, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.
Noe (Mitte) mit seinen Teamkollegen Levi Ulrich, Abishek Vepa und Andric Andrija. Foto: ETTU
«Diese zehn Tage waren happig. Eines der härtesten Turniere, die ich je gespielt hatte.»
Die Vorbereitung auf die EM begann mit zwei dreitägigen Trainingslagern. Richtig intensiv wurde es in den zwei Wochen davor. Ich habe noch härter trainiert, bin öfter an meine Grenzen gegangen und habe auch dann weitergemacht, wenn ich Muskelkater oder Schmerzen hatte.
Ziel war es, körperlich und mental topfit zu sein. Die Jugend-EM verlangt danach, jeden Tag die beste Leistung abzurufen. Besonders herausfordernd ist der Ablauf. An manchen Tagen spielt man morgens um 11 Uhr und erst abends um 19 Uhr wieder. Die Stunden dazwischen verbringt man in einer lauten Halle, in der sich alle Nationen mit vollem Einsatz präsentieren. Diese Stimmung kann einen tragen, sie kann aber auch anstrengend werden. Deshalb musste ich lernen, mich gezielt zu fokussieren und in den Pausen wirklich abzuschalten.
«Neben dem Tisch ist es genauso wichtig, runterzufahren und nicht ewig über eine Niederlage nachzudenken.»
Ich habe in diesem Turnier einige knappe Matches verloren. Oft nach einer klaren Führung. Das hat wehgetan. Aber genau daraus habe ich gelernt, bis zum letzten Punkt konsequent zu bleiben und den Siegeswillen bis zum Ende hochzuhalten.
Im Einzel habe ich gegen einen Gegner verloren, den ich im Team-Event klar geschlagen hatte. Da habe ich gemerkt, dass nicht nur der Kopf, sondern auch die Beine frisch bleiben müssen. Manchmal fehlte mir am Ende die Spritzigkeit. Dann reicht es nicht, nur zu wollen. Man muss sich auch wieder in die Intensität hineinarbeiten. Gleichzeitig habe ich gelernt, eine Niederlage nicht über das ganze Turnier mitzuschleppen.
«Man kann nicht immer gut spielen. Aber man kann immer kämpfen und lernen.»
Besonders beeindruckt hat mich Iulian Chirita. Er spielt in der französischen Liga, ist körperlich unglaublich stark und hat selbst gegen die Nummer eins der Welt ein enges Match geliefert. Von ihm kann man viel lernen: von der Technik bis zur mentalen Stärke.
Inspiration kam auch von der tschechischen Mannschaft, die im eigenen Land mit Herzblut bis ins Viertelfinale kam, obwohl sie nicht zu den Favoriten zählte. Das hat mir gezeigt, dass Kampfgeist und Leidenschaft genauso wichtig sind wie Technik.
Ich bin stolz auf das, was wir als Team erreicht haben. Gleichzeitig weiss ich genau, woran ich arbeiten muss. Ich muss mental härter werden, konsequenter bleiben und diese Siegermentalität in jedem Match umsetzen. Die Jugend-EM hat meinen Hunger geweckt. Beim nächsten Mal werde ich noch stärker zurückkommen.