Die Initiative TEAM PING PONG STORY
Dieser Artikel wurde erstmals im Sidespin-Newsletter von Swiss Table Tennis (STT) veröffentlicht. Zum Artikel
Die jüngsten Erfolge beim Nachwuchs machen Hoffnung. Doch die Herausforderungen für ambitionierte Tischtennisspielerinnen und -spieler in der Schweiz sind gross, vor allem am Übergang vom Nachwuchs zur Elite. Es fehlt an Trainingszentren, durchgängigen Strukturen und finanziellen Mitteln, die eine professionelle Karriere ermöglichen würden.
Das Resultat: Trotz Talent und harter Arbeit bleibt die Tür nach oben verschlossen.
Der Tischtennis-Leistungssport in der Schweiz steckt in einem Teufelskreis: ohne Profis keine Vorbilder von internationalem Format, ohne Vorbilder keine finanziellen Mittel und Sponsorings für den Sport, ohne Mittel und Sponsorings keine effektive Förderung auf Leistungsebene.
Das TEAM PING PONG STORY ist eine Initiative, die mithelfen will, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Sie setzt auf drei Ebenen an: Erstens unterstützt sie leistungsorientierte Spieler im Elitebereich mit Training, Infrastruktur und Teambuilding. Weiter bietet sie den Athleten flexible Jobmöglichkeiten und damit eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle für ambitionierte Spieler beim Übergang zum professionellen Sport.
Auf der zweiten Ebene vernetzt die Initiative die Sportler mit Unternehmen, indem sie Sponsoringplattformen aufbaut, wie zum Beispiel den Newsletter PING POST oder das bereits lancierte Instagram-Profil. Drittens soll mit Unterstützung von Sponsoren und Supportern eine neue Lokalität entstehen, die einen professionellen Trainingsbetrieb mit entsprechenden Trainern und Sparringpartnern ermöglicht.
Initiant ist die Kommunikationsagentur PING PONG STORY. Inhaber Marc Schwitter hat 2011 zusammen mit dem Tischtennisclub Rapperswil-Jona das Projekt VAMOS2020 gestartet, aus dem das nationale Turnier Obersee Cup und die Trainingshalle HOUSE OF TABLETENNIS hervorgegangen sind, die «Home Base» des neuen Teams.
«Für das TEAM PING PONG STORY haben wir die Olympia-Qualifikation als Aufhänger», sagt Marc. «Olympia ist das grosse Ziel jedes Athleten und wohl der bekannteste Sportanlass der Welt. Das hilft uns, auch Menschen ausserhalb der Tischtennisgemeinschaft zu erreichen und sie für diese Geschichte zu begeistern. Ein guter Aufhänger ist Olympia auch deshalb, weil die Qualifikation aus heutiger Sicht fast unmöglich scheint.»
Gestartet ist das Team mit vier Athleten aus dem Umfeld des HOUSE OF TABLETENNIS. Sobald die finanzielle Entwicklung es erlaubt, soll das Team wachsen und weiteren Athletinnen und Athleten offenstehen.
Zu den Unterstützern gehören verschiedene private Förderer und bislang elf Unternehmen, vom Einzelbetrieb bis zum grösseren KMU. Die Unterstützungsmöglichkeiten reichen von Supporterpaketen ab 45 Franken bis zu umfangreichen Sponsoring- und Marketingangeboten im Wert von bis zu 35’000 Franken.
Alle Informationen zum TEAM PING PONG STORY, den Athleten und der geplanten Trainingsstätte SPIN VILLAGE finden sich unter www.teampingpongstory.ch.
INSTAGRAM: https://www.instagram.com/teampingpongstory/#
PING POST – monatlicher Newsletter des TEAM PING PONG STORY: https://teampingpongstory.ch/#newsletter
Interview TEAM PING PONG STORY
Wie ist das TEAM PING PONG STORY entstanden?
Numa: Im Elitebereich mangelt es an geeigneten Trainingsmöglichkeiten, starken Trainingspartnern und oft auch an finanzieller Unterstützung – nicht zuletzt, weil das öffentliche Interesse am Tischtennis in der Schweiz gering ist.
Um diesen Schwierigkeiten entgegenzuwirken, haben wir das TEAM PING PONG STORY ins Leben gerufen. Es schafft bessere Trainingsbedingungen, stärkt den Zusammenhalt unter den Athletinnen und Athleten und erleichtert uns den Kontakt zu potenziellen Sponsoren.
Habt ihr eine Rollenverteilung im Team?
Elias: Ja, die haben wir. Ich bin der Teammanager und koordiniere die Trainings mit den Spielern und dem Trainer. Zusätzlich erarbeite ich Konzepte für Sponsoren und Gönner, sodass wir die notwendigen Mittel generieren können, damit auch weitere Schweizer Spieler den Weg als Profi gehen können.
Cédric: Meine Rolle ist die des Medienexperten und Content Managers. Ich bin für den Instagram-Content und das Newsletter-Marketing zuständig und arbeite daran, dass wir als Team mehr Sichtbarkeit bekommen. Numa und Noe bringen immer wieder wertvolle Ideen ein, was wir als Athleten brauchen, um besser zu werden.
Was sind eure wichtigsten sportlichen Ziele für die kommende Saison?
Elias: In dieser Saison möchte ich in der 3. Bundesliga eine positive Bilanz spielen und mit der Mannschaft in die 2. Bundesliga aufsteigen. Zusätzlich will ich meinen Schweizermeistertitel verteidigen. Ein weiteres Ziel ist, mich erneut für die Top 16 zu qualifizieren, beim internen Qualifikationsturnier im STT-Trainingslager im Januar.
Cédric: Mein Saisonziel ist es, den Schweizermeistertitel im Einzel zu gewinnen, in der Schweiz Fuss zu fassen und ein nachhaltiges Trainingsprogramm zu entwickeln, das langfristigen Erfolg ermöglicht und es mir körperlich erlaubt, weiterhin Leistungssport zu betreiben.
Noe: Eine Bilanz von über 70 Prozent in der NLA und der Regionalliga, die Teilnahme an der Jugendweltmeisterschaft und eine Medaille bei einem WTT-Turnier. Am wichtigsten ist mir aber, mich ständig zu verbessern und die Freude am Spielen zu behalten.
Numa: Eine Medaille an den Elite-Schweizermeisterschaften.
Wie sieht eine typische Trainingswoche von euch aus?
Noe: Wir trainieren täglich. Manche von uns trainieren an gewissen Tagen auch zweimal, so wie die Profis in den Trainingszentren. Oft machen wir am Anfang der Woche mehr regelmässige Übungen. Da läuft man mehr und kommt in einen guten Rhythmus.
Gegen Ende der Woche, vor allem wenn wir Spiele haben, arbeiten wir viel an Aufschlag und Rückschlag, was wir im Spiel am meisten brauchen. Zudem üben wir taktische Spielzüge, die wir dann im Wettkampf umsetzen wollen. Zu diesen Trainingsabläufen kommen noch Kraft- und Schnelligkeitstrainings dazu.
Der Aufschlag ist einer der wichtigsten Schläge im Tischtennis, weil der Gegner keinen Einfluss darauf hat und man ihn auch ohne Partner üben kann.
Warum habt ihr euch ausgerechnet Olympia als Vision gesetzt?
Zsolt: Olympia ist der grösste Traum jedes Sportlers. Es ist das höchste Ziel, das man im Sport haben kann, mit grosser Symbolwirkung. Jeder Mensch versteht sofort, was Olympia bedeutet, selbst wenn er oder sie mit Tischtennis sonst nichts zu tun hat. Diese Vision gibt uns Energie. Sie motiviert uns täglich, noch härter zu arbeiten, weil sie etwas auslöst bei uns, aber auch bei den Menschen, die uns folgen. Olympia ist unser gemeinsamer Nenner, der alles verbindet.
Warum schaffen es viele junge Schweizer Talente nach der Juniorenzeit nicht, im internationalen Herrenbereich durchzustarten?
Cédric: Der Schritt von der Juniorenzeit in die Elite ist in der Schweiz extrem schwierig. Es fehlt an Strukturen, die das ermöglichen würden. Viele junge Spieler müssen sich zwischen Studium, Arbeit und Training entscheiden.
Dazu kommt, dass es kein richtiges Trainingszentrum gibt, wo die besten Athleten regelmässig gemeinsam trainieren können. In Ländern wie Deutschland oder Frankreich existieren solche Systeme. Bei uns hängt fast alles an der Eigeninitiative der Spieler. Viele geben irgendwann auf. Nicht, weil sie das Talent nicht hätten, sondern weil sie keine Perspektive sehen. Genau dort wollen wir mit dem TEAM PING PONG STORY ansetzen.
In der Schweiz gibt es viele talentierte Spieler, aber kaum mediale Präsenz. Wie fühlt es sich an, wenn man jahrelang hart trainiert, aber in der Öffentlichkeit fast unsichtbar bleibt?
Elias: Einerseits finde ich es cool, nicht voll im Rampenlicht zu stehen wie Fussballer. Aber man möchte das jahrelange, harte Training auch zeigen können. Leute, die einem zujubeln und die Sportart gerne verfolgen, gibt es zu wenig, das wäre eine grosse Motivation für uns alle.
Unser Talent mit der Welt zu teilen, wäre schön. Der andere Punkt ist, dass wir fast keine mediale Aufmerksamkeit bekommen und deshalb wenig Geld über Sponsoren in unseren Sport fliesst. Darum ist es aktuell schwierig, als Schweizer nur vom Tischtennis zu leben.
Ihr berichtet auch in den sozialen Netzwerken über euren Weg als Leistungssportler. Inwiefern ist die Kommunikation ein wesentlicher Bestandteil eures Sportprojekts?
Cédric: Kommunikation ist für unsere Karriere genauso wichtig wie gutes Training. Wenn niemand weiss, was wir machen, können wir auch keine Menschen erreichen, die wir begeistern können. Wir möchten zeigen, wie viel Leidenschaft und Aufwand hinter unserer Sportart stecken. Social Media hilft uns, eine Brücke zwischen Sportlern, Fans und Sponsoren zu schlagen. Und es macht unseren Weg sichtbar mit all seinen Höhen, Tiefen und Emotionen. Das ist nicht nur wichtig für uns, sondern auch für die nächsten Generationen von Spielerinnen und Spielern, die sehen sollen, dass man in der Schweiz etwas aufbauen kann.
Interessierte fragen sich sicher, wie man euch unterstützen kann.
Noe: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wer uns ideell unterstützen möchte, kann unseren Newsletter abonnieren oder unsere Beiträge teilen.
Elias: Für Gönnerinnen und Gönner gibt es Supporterpakete ab 45 Franken. Firmen können uns als Sponsoren unterstützen mit Paketen von 500 bis 35’000 Franken. Dabei profitieren sie von einer echten Partnerschaft: Unsere Spieler treten als Markenbotschafter auf, und wir organisieren Events, bei denen Unternehmen Tischtennis hautnah erleben können.
Numa: Das ist eine Win-Win-Situation für die Sponsoren, die Sichtbarkeit gewinnen, und für uns, die dadurch bessere Trainingsbedingungen schaffen können.
Welche Botschaft wollt ihr jungen Menschen vermitteln, die euch folgen und ebenfalls davon träumen, ihre eigene PING PONG STORY zu erleben?
Noe: Wenn ich Leuten, die ihre Ambitionen und Ziele erreichen wollen, was mitgeben kann, dann ist es, sich auch an den kleinen Dingen zu erfreuen, die man auf dem Weg zum Ziel erreicht.
«Der Weg ist das Ziel» finde ich ein sehr schönes Motto dazu. Man soll unbedingt an seine Träume glauben, auch wenn es am Ende vielleicht dann nicht reicht – man hat alles versucht und seine eigenen, persönlichen Erfahrungen gemacht und ist daran sicher gewachsen.
Was wünscht ihr euch für die Schweizer Tischtennis-Community in den kommenden Jahren?
Numa: Ich wünsche mir von der Schweizer Tischtennis-Community, dass sie es in den nächsten paar Jahren schafft, eine Umgebung zu schaffen, die es erlaubt, Profispieler hervorzubringen, die auch international vorne mitspielen können.