Trainingslager in China:

Numa Ulrich geht an seine Grenzen

Ein Erfahrungsbericht von Numa Ulrich

Diesen Sommer durfte ich gemeinsam mit dem Ostschweizer Tischtennisverband (OTTV) die Cheng Meng Tischtennisschule in Qingdao besuchen. Dabei handelt es sich um ein Internat, das direkt mit einer professionellen Tischtennisschule verbunden ist. Geleitet wird das Institut von Cheng Meng, einer der erfolgreichsten chinesischen Tischtennisspielerinnen aller Zeiten.

Die Schule verfügt über zwei topmoderne Hallen mit jeweils rund 30 bis 40 Tischen. Wir trainierten hauptsächlich in der oberen Halle zusammen mit den älteren Spielern. Täglich verbrachten wir etwa fünf bis sechs Stunden in der Halle, jeweils eine Einheit am Morgen und eine am Nachmittag. Beide dauerten ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden.

Der Tagesablauf war klar strukturiert. Jeder Tag begann um 7 Uhr mit einem kurzen Footing, gefolgt vom Frühstück. Danach hatten wir kurz Zeit, um uns im Zimmer vorzubereiten, bevor das Training startete. Jede Einheit begann mit dem gleichen Aufwärmprogramm und dem Einspielen. Die erste Übung war meist ein 2:2, also zwei Bälle in die Vorhand, zwei in die Rückhand, wobei alle Schläge mit der Vorhand gespielt werden mussten. Das klingt zunächst nicht besonders anstrengend, war es aber sehr wohl, vor allem wegen der langen Ballwechsel. Unsere Sparringpartner machten kaum Fehler. Jede Seite spielte die Übung jeweils 15 Minuten.

«Unsere Sparringpartner machten kaum Fehler. Dadurch wurden selbst einfache Übungen extrem intensiv.»

Anschliessend folgte eine halbregelmässige Übung, zum Beispiel ein bis zwei Bälle in die Vorhand, danach ein bis zwei in die Rückhand und dann wieder zurück. Auch hier spielte jede Seite wieder jeweils 15 Minuten. Danach gab es eine kurze Pause. Im zweiten Teil der Einheit standen meist Matches auf dem Programm, am häufigsten in der Form von Kaisertisch. Zum Abschluss der Einheit dehnten wir uns kurz und gingen anschliessend direkt zum Mittagessen.

Nach dem Mittagessen hatten wir etwa eine Stunde Zeit im Zimmer, die wir meistens für einen kurzen Mittagsschlaf nutzten.

Die Nachmittagseinheit begann wieder mit Aufwärmen und Einspielen, gefolgt von einer längeren Balleimer-Einheit. Pro Tisch waren wir meistens zu viert. Zwei Spieler spielten, zwei sammelten die Bälle. Nach einer Kiste wurde durchgewechselt. Obwohl wir dadurch effektiv nur ein Viertel der Zeit aktiv spielten, war die Belastung sehr hoch. Diese Einheit dauerte etwa eine Stunde. Danach folgte wieder eine kurze Pause, gefolgt von weiteren Matches, meist erneut Kaisertisch. Zum Abschluss dehnten wir uns wieder und gingen anschliessend zum Abendessen.

Die Abende waren in der Regel frei. Wir nutzten die Zeit, um Spiele wie Rummikub oder manchmal auch Catan zu spielen. Gelegentlich verliessen wir auch das Schulgelände, um in die Stadt zu fahren. Dafür benötigten wir jedoch immer die Erlaubnis der Trainer, da das Verlassen des Geländes ohne Genehmigung nicht erlaubt war.

«Das Trainingslager war sehr anstrengend, hat mir aber neue taktische Möglichkeiten eröffnet und mich für die Saison stärker gemacht.»

Insgesamt empfand ich das Training als sehr anstrengend. Die Übungen waren intensiv für die Beine und dauerten jeweils ziemlich lange. Dazu kam der monotone Tagesablauf: jeden Tag dasselbe Aufwärmen, dieselben Übungen und sehr oft auch dieselben Gegner.

Die Kommunikation mit den chinesischen Spielern und Trainern hat insgesamt gut funktioniert. Einige unserer eigenen Trainer konnten Chinesisch und halfen uns beim Übersetzen, was vieles erleichterte. Wenn einmal kein Trainer anwesend war, nutzten wir Übersetzer-Apps. Für Alltagsdinge hat das gut geklappt, bei technischen Aspekten war es jedoch schwieriger, weil die Apps dafür meist nicht genau genug waren.

«In dieser Zeit habe ich grosse Fortschritte in meiner Ballsicherheit gemacht. Heute fühle ich mich in langen Ballwechseln deutlich stabiler und selbstbewusster.»

In dieser Zeit habe ich am meisten Fortschritte im Bereich Ballsicherheit gemacht. Vor den Ferien war ich in längeren Ballwechseln oft im Nachteil, jetzt ist das deutlich seltener der Fall. Dadurch fühle ich mich für die neue Saison noch besser vorbereitet, weil ich gegen gewisse Gegner nun auch taktisch ganz neue Möglichkeiten habe.